Von der reichen Armen

Es war einmal ein Mädchen. das war so schön, dass jedem, der es ansah, das Blut zu Herzen schoss. Aber die Schöne klagte: „Was hilft mir meine Schönheit, wenn ich nicht reich bin. So wird mich doch keiner zur Frau wollen.“

In den Bergen wohnte eine weise Frau. Darum kamen viele Menschen zu ihr, um bei ihr Rat zu holen, und sie half jedem. der darum bat. Auch die Schöne beschloss ihren Kummer der Weisen anzuvertrauen. Sie ging so Iange, bis sie endlich die kleine Hütte in den Bergen gefunden hatte.

„Man sagt. dass du klug und weise bist und schon vielen Menschen geholfen hast“, sprach das Mädchen. „lch bitte dich, hilf auch mir.“ ,,Gern will ich dir helfen“, sagte die weise Frau. „Sprich, was hast du auf dem Herzen.“

„Ach, ich bin so arm, dass ich nie einen Mann bekommen werde. Deshalb möchte ich reich sein.“ „Dir ist leicht zu helfen“, lächelte die Frau. „lch gebe dir einen Sack voll Gold.“ „Wirklich?“ freute sich das Mädchen. „Doch musst du mir dafür ein Auge geben!“ Das Mädchen erschrak: ,,Ein Auge? Niemals! Da würde ich ja schlecht sehen!“

„Gut, ich will dir zwei Säcke Gold geben. Doch will ich dafür ein Bein.“ „Nein, das gebe ich dir auch nicht“, sagte das Mädchen und schüttelte den Kopf. „Dann könnte ich ja nicht mehr gehen.“

„Gut. ich will dir drei Säcke voll Gold geben. Doch will ich dafür deine Hand“. fuhr die Frau fort. „Wie kann ich dann der Arbeit nachgehen?“ „Wenn du reich bist. musst du ja nicht mehr arbeiten“, wandte die Frau ein. "Das ist wahr“, sagte das Mädchen. „Aber Reichtum und ein Krüppel? Nein, das will ich nicht.“

„Gut geantwortet“, lächelte da die Frau wieder. ,,Und recht hast du, denn Gesundheit und Schönheit gehen über alles Gold der Welt!“

Das Mädchen dachte nach. ,,Die Menschen haben recht, wenn sie behaupten, das: du weise
und klug bist.“ Und das Mädchen ging zufrieden wieder nach Hause.

 

Textfassung und Bild: Eva Marie Wowy

 

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