Der Bär_blau

Scherenschnitt: Eva Wowy

Die Katze vom Dovre - Norwegen

Vor Jahren lebte in Finnmark ein Mann, der hatte einen großen Eisbären bei sich und wollte ihn dem König von Dänemark bringen. Es war ein weiter Weg, viele Tage lang wanderten die beiden.
Nun traf es sich so, dass er gerade am Weihnachtsabend zum Dovrefjeld kam.  Es dämmerte schon, und der Mann war froh, hinter der nächsten Wegbiegung einen Hof zu finden. Dort wollte er um ein Nachtlager für sich und den Bären bitten.
„Ach, Barmherziger Himmel!“ sagte der Bauer, der Halvor hieß.
„Wie sollt´ ich wohl jemandem Nachtquartier geben können!
Jeden Weihnachtsabend kommen so viele Trolle zu uns, dass ich mit den Meinigen ausziehen muss und selber nicht einmal ein Dach über dem Kopf hätte, wenn der Nachbar sich unserer nicht erbarmte.“
„Oh, für uns hast du sicher noch Platz,“, meinte der Mann.
„Mein Bär kann hinter dem Ofen liegen, und für mich ist der Bettkasten gut genug. Und vor den Trollen soll uns nicht Angst werden.“
Dann bat er so lange, bis der Bauer Halvor es ihm erlaubte.
Der verließ mit seiner Familie, den Mägden und Knechten den Hof.
Der Tisch aber war für die Trolle gedeckt: Da standen Rahmgrütze, Reisbrei, gebratene und gekochte Würste und andere Herrlichkeiten, mit denen man Gäste bei großen Festen bewirtet.

Und es dauerte nicht lange, da stellten die Trolle sich ein.
Einige von ihnen waren groß und einige klein, einige hatten langes Fell und andere kurzes struppiges, einige hatten lange Schwänze und einige keine, aber alle hatten sie lange, lange Nasen.
Und sie aßen und tranken und schmatzten und ließen keine Speise unversucht. Plötzlich aber entdeckte einer der kleinen Trolle den Eisbären, der hinter dem Ofen lag, nahm ein Stück Wurst, steckte es auf eine Gabel, briet es, schwänzelte durch die Stube und hielt es so dicht unter die Nase des Bären, dass er ihn brannte.
„Mieze, willst du ´ne Wurst?“ Rief er. Brummend fuhr der Bär hoch, richtete sich zu voller Größe auf und schlug mit der Tatze nach dem kleinen Troll.
Der schrie wie am Spieß, und im Nu liefen alle Trolle, groß und klein, kreischend davon. Im Nu hatte der Bär sie alle aus dem Haus gejagt.

Das Jahr darauf war Halvor eines Nachmittags so gegen Weihnachten hin im Wald und haute Holz für den Julabend. Er erwartete wieder die Trolle, und seine Frau und die Mägde waren dabei, zu backen und zu braten.
Da hörte er plötzlich ein feines Stimmchen aus dem Wald rufen:
„Halvor, Halvor!?“ „Ja-a“, sagte Halvor.

„Wir kommen am Julabend wieder zu dir, Halvor.“
„Ja, das weiß ich.“ „Aber – Halvor, hast du deine große Miezekatze noch?“ „Ja, die liegt hinterm Ofen“, sagt Halvor, „und nun hat sie sieben Junge bekommen, die sind noch stärker und böser als sie.“
„Oh, Halvor, dann kommen wir niemals wieder zu dir!“ rief der Troll aus dem Wald.
Und von der Zeit an haben die Trolle nie wieder den Weihnachtsbrei bei Halvor auf dem Dovrefjeld gegessen. Aber der Bauer und seine Familie konnten nun zu Haus bleiben und das Fest genießen. Dazu luden sie oft ihre hilfreichen Nachbarn ein.


Quelle: „Es war einmal“ – das ist Norwegen, Asbjörnsen/Moe, Tauum-Norli, Oslo 1980, Erzählfassung Ingrid Erlhage
 

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